Wiesensaatguternte im Berchtesgadener Land

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Unsere tatkräftige Unterstützerin Melanie Tatzmann gibt einen Einblick

(Text und Bilder gemäß Absprache von der Biosphärenregion BGL)  

Mein Name ist Melanie Tatzmann und ich wohne mit meiner Familie auf einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb im Haarmoos. Als Flora-Fauna-Habitat und Vogelschutz-gebiet erweckte meine Heimat auch mein Interesse für die dort lebenden Wiesen-brüter. Um diesen Vögeln langfristig nutzbare Lebensräume zu erhalten, bin ich als Wiesenbrüterberaterin tätig. Dazu gehört unweigerlich auch die Sicherstellung der Nahrung für die Vögel, welche vorwiegend aus Insekten besteht. Die wiederum brauchen ein reichhaltiges Blühangebot und strukturreiche Lebensräume, um eine Fortpflanzung sicherzustellen. Um solche ökologische Kreisläufe im Landkreis stärker zu unterstützen, bekundete ich mein Interesse bei der Biosphärenregion Berchtes-gadener Land.

 

Die Projektziele der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit Salzburg (Interreg-Projekt „Wild und Kultiviert – Regionale Vielfalt säen“) zeigten sich als perfekte Synergie. Gemeinsam mit den Schutzgebietsbetreuern Dr. Markus Höper und Tanja Maurer konnte ich bei der Wiesensaatgutbeerntung mitwirken. Die Kulturlandschaft des Berchtesgadener Landes ist vielfältig. Um das Beerntungsangebot für die Vermehrung artenreicher und vor allem regionaler Bestände zu nutzen, bedurfte es im Sommer zahlreicher Ernteeinsätze. Essentiell für die Beerntung ist eine exakte Einschätzung der Samenreife. Dazu gab es im Juni 2017 bereits einen Workshop mit dem Projekt-Experten Heli Kammerer. Die noch fehlenden botanischen Kenntnisse konnte ich anschließend während der Ernteeinsätze von Markus Höper erlernen. Das Artenspektrum erweiterte sich rasant, denn wir konnten in den verschiedensten Höhenlagen (bis 1.630m) des Berchtesgadener Landes Beerntungen durchführen, mussten jedoch auch feststellen, dass die Ressource „artenreiche Wiese“ in unserer Kulturlandschaft bereits sehr knapp ist. Ein Mix aus regionalen Wiesenbeständen ist allerdings erforderlich, um die Empfängerflächen mit standortangepassten Samen-mischungen anzusäen. Mit jeder Anwendung wurde die Handhabung des „ebertls“, so wird das Wiesensaatgut-Beerntungsgerät „eBeetle“ auch liebevoll genannt, verfeinert. Die beernteten Wiesen boten aufgrund der extensiven Bewirtschaftung und der dadurch sehr vielfältigen Flora auch eine sehr umfangreiche Fauna. Diese zu beob-achten genoss ich oft sehr.

 

In Leintüchern wurden die geernteten Samen anschließend auf eigens gefertigte Rahmen zum Trocknen ausgebreitet, um sie später in Papiertüten zu lagern. Sorgfältig beschriftet warten sie nun auf ihre Chance, auf eigens dafür vorbereiteten Flächen wieder keimen zu dürfen. Denn die hochwertigen Samen bieten ein großes Potenzial für die flächige Entwicklung weiterer regionaler artenreicher Blumenwiesen in unserer Kulturlandschaft. Mit den Beerntungen war es für mich bzgl. der Mithilfe aber noch nicht zu Ende. Die besonderen Wiesen hatten es mir angetan und deswegen entwickelte ich gemeinsam mit den Schutzgebietsbetreuern die Idee, vor meiner Terrasse vier Versuchsstandorte mit geeigneten Ansaaten der Beerntungen einzurichten. Diese Fläche wird von mir in Absprache mit den Schutzgebietsbetreuern nun passend bewirtschaftet und dokumentiert. Eine Monitoringfläche der Biosphären-region Berchtesgadener Land in meinem Garten zur Erfassung für nachhaltige und erfolgsorientierte Ansaaten in der Region  -  das macht mich zu einer aktiven und begeisterten Bewohnerin der Modellregion.

Zur Information:

• Wiesenbrüter: Auf dem Boden bzw. in der Wiese brütende Vögel.

• Flora-Fauna-Habitat & Vogelschutzrichtlinie: Naturschutzrichtlinie

  der Europäischen Union

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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