Wiesenbrüterbeauftragte für das Haarmoos

PRESSEMITTEILUNG 

 

Dem Haarmoos kommt als größtes Wiesenbrütergebiet in Südostbayern eine große Bedeutung für den Erhalt der biologischen Vielfalt zu. Mittlerweile sieht der Bestand in Bayern düster aus: 

Sieben der neun relevanten Wiesenbrüterarten sind vom Aussterben bedroht. Genauer gesagt sind das Großer Brachvogel, Bekassine, Braunkehlchen, Wiesenpieper, Uferschnepfe, Rot-schenkel und Grauammer. Zwei davon, Wachtelkönig und Kiebitz, gelten als stark gefährdet.

   

Um den dramatischen Rückgang zu stoppen wurde ein Artenhilfsprogramm gestartet. Nach

und nach werden bayernweit alle relevanten Wiesenbrüterkulissen mit Wiesenbrüterberatern ausgestattet.

Für das Haarmoos ist seit dem Frühjahr 2017 Melanie Tatzmann zuständig. Sie will mit Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit einen Beitrag leisten, das Überleben der bedrohten Tierarten zu sichern. „Nur auf lange Sicht und wenn alle Akteure an einem Strang ziehen, können Schutzmaßnahmen Erfolge erzielen“ ist sich die Beauftragte sicher und meint weiter: „Das, was wir auf jeden Fall vor Ort tun können, ist die Erhaltung und Sicherung ihrer Lebensraum- und Brutstätten“.

   

Sie wird als Ansprechpartner helfend zur Seite stehen, Gelege markieren, die Mahd begleiten und auf die Aufwandsentschädigungen für die natur-verträgliche und artgerechte Bewirtschaftung aufmerksam machen. Die Pflegemaßnahmen für diese oft nicht leicht zu bewirtschaftenden feuchten Streuwiesenkomplexe gehören entsprechend entlohnt – schließlich gäbe es ohne ordentliche Bewirtschaftung überhaupt kein Wiesenbrutgebiet Haarmoos, so die Beraterin weiter.

  

Zusätzliche Aufgabe wird sein, die Bevölkerung und die Erholungssuchenden zu sensibilisieren und speziell über die im Haarmoos vorkommenden Wiesenbrüter zu informieren. Ab dem Frühjahr 2018 gibt es Führungen zusammen mit der Wiesenbrüterbeauftragten, die Termine sind dem Programmteil zu entnehmen.

   

Insgesamt gesehen werden alle Schutzmaßnahmen im Zuge dieses Projektes auch anderen Arten der Wiesen, wie z.B. der wirbellosen Tierarten und der Blütenpflanzen zu Gute kommen. Besondere Erfolge entstehen durch das Miteinander. Wer Zeit, Wissen, Erfahrung oder einfach nur Lust hat, an einer Arbeitsgruppe "Wiesenbrüter" mitzuarbeiten, der meldet sich bitte unter wiesenbrueterberater.haarmoos@gmx.de.

 

Wiesenbrüterbeauftragte fordert Förderung für Stadel-Sanierungen

 

Pressebericht im R'haller Tagblatt vom 20. Juni 2019

 

Melanie Tatzmann, Wiesenbrüter-Beauftragte im Haarmoos, spricht im Inter-view über die Debatten um die Stadel, über den Schutz des Biotops für die Wiesenbrüter wie z. B. Braunkehlchen und Großer Brachvogel, über ihre Ideen für neue Projekte und was Besucher im Haarmoos unbedingt beachten sollten.

Das Interview führte Karin Kleinert.

 

>> zum Pressebericht

 

 

Wiesensaatguternte im

Berchtesgadener Land

Unsere tatkräftige Unterstützerin Melanie Tatzmann gibt einen Einblick

 (Text und Bilder sind gemäß Absprache von der Biosphärenregion BGL)

 

Mein Name ist Melanie Tatzmann und ich wohne mit meiner Familie auf einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb im Haarmoos.

 Als Flora-Fauna-Habitat und Vogelschutzgebiet erweckte meine Heimat auch mein Interesse für die dort lebenden Wiesenbrüter. Um diesen Vögeln langfristig nutzbare Lebensräume zu erhalten, bin ich als Wiesen-brüterberaterin tätig. Dazu gehört unweigerlich auch die Sicherstellung


der Nahrung für die Vögel, welche vorwiegend aus Insekten besteht. Die wiederum brauchen ein reichhaltiges Blühangebot und strukturreiche Lebens-räume, um eine Fortpflanzung sicherzustellen. Um solche ökologische Kreisläufe im Landkreis stärker zu unterstützen, bekundete ich mein Interesse bei der Biosphärenregion Berchtesgadener Land.

 

Die Projektziele der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit Salzburg (Interreg-Projekt „Wild und Kultiviert – Regionale Vielfalt säen“) zeigten sich

 als perfekte Synergie. Gemeinsam mit den Schutzgebietsbetreuern Dr. Markus Höper und Tanja Maurer konnte ich bei der Wiesensaatgutbeerntung mitwirken. Die Kulturlandschaft des Berchtesgadener Landes ist vielfältig. Um das Beerntungsangebot für die Vermehrung artenreicher und vor allem regionaler Bestände zu nutzen, bedurfte es im Sommer zahlreicher Ernteeinsätze. Essentiell für die Beerntung ist eine exakte Einschätzung der Samen-reife. Dazu gab es im Juni 2017 bereits einen Workshop mit dem Projekt-Experten Heli Kammerer. Die noch fehlenden botanischen Kenntnisse konnte ich anschließend während der Ernteeinsätze von Markus Höper erlernen. Das Artenspektrum erweiterte sich rasant, denn wir konnten in den ver-schiedensten Höhenlagen (bis 1.630m) des Berchtesgadener Landes Beerntungen durchführen, mussten jedoch auch feststellen, dass die Ressource „artenreiche Wiese“ in unserer Kulturlandschaft bereits sehr knapp ist. Ein Mix aus regionalen Wiesenbeständen ist allerdings erforderlich, um die Empfängerflächen mit standortangepassten Samenmischungen anzusäen. Mit jeder Anwendung wurde die Handhabung des „ebertls“, so wird das Wiesensaatgut-Beerntungsgerät „eBeetle“ auch liebevoll genannt, verfeinert. Die beernteten Wiesen boten aufgrund der extensiven Bewirtschaftung

und der dadurch sehr vielfältigen Flora auch eine sehr umfangreiche Fauna. Diese zu beobachten genoss ich oft sehr.

 

In Leintüchern wurden die geernteten Samen anschließend auf eigens gefertigte Rahmen zum Trocknen ausgebreitet, um sie später in Papiertüten zu lagern. Sorgfältig beschriftet warten sie nun auf ihre Chance, auf eigens dafür vorbereiteten Flächen wieder keimen zu dürfen. Denn die hochwertigen Samen bieten ein großes Potenzial für die flächige Entwicklung weiterer regionaler artenreicher Blumenwiesen in unserer Kulturlandschaft. Mit den Beerntungen war es für mich bzgl. der Mithilfe aber noch nicht zu Ende. Die besonderen Wiesen hatten es mir angetan und deswegen entwickelte ich gemeinsam mit den Schutzgebietsbetreuern die Idee, vor meiner Terrasse vier Versuchsstandorte mit geeigneten Ansaaten der Beerntungen einzu-richten. Diese Fläche wird von mir in Absprache mit den Schutzgebietsbetreuern nun passend bewirtschaftet und dokumentiert. Eine Monitoringfläche der Biosphärenregion Berchtesgadener Land in meinem Garten zur Erfassung für nachhaltige und erfolgsorientierte Ansaaten in der Region - das macht mich zu einer aktiven und begeisterten Bewohnerin der Modellregion.

 

 Zur Information:

• Wiesenbrüter: Auf dem Boden bzw. in der Wiese brütende Vögel

• Flora-Fauna-Habitat & Vogelschutzrichtlinie: Naturschutzrichtlinie

  der Europäischen Union